Die perfekte Cloud mit einem Synology NAS?

Die Cloud ist gut und böse zugleich. Gut, weil ein Dienst wie beispielsweise Dropbox vieles vereinfacht hat. Man braucht sich selbst keine Dateien als Mailanhang „hinterherschicken“, keinen USB-Stick mitnehmen um Daten zu transportieren – nein, man läßt einen Teil seiner Daten bequem mit einem Online-Speicher synchronisieren und hat so bei Bedarf alles was man braucht auf mehreren PCs oder per Weboberfläche im Zugriff.

Auf der anderen Seite ist sowas für den datenschutzbewußten Nerd natürlich ein No-Go. Man lädt seine Daten auf irgendeinen Ami-Server – pfff. Wer weiß schon, was die da drüben mit meinen Daten machen? fragt sicher (hoffentlich!) jeder, der einen Account bei Dropbox und Konsorten hat. Nachrichten über Passwort-Leaks tragen den Rest dazu bei, um Bauchschmerzen beim Einsatz solcher Cloud-Dienste zu bekommen.

Man muss also abwägen: was darf in die Cloud und was nicht? Oder man fragt sich alternativ: kann ich das auch selbermachen?

Klar, geht alles. Ist halt eine Frage des Aufwands, den man dabei betreiben möchte. Ich denke schon lange darüber nach, wie man’s am besten anstellen kann. Irgendwas mit rsync basteln kommt nicht Frage – keine Zeit für Experimente. Out-of-the-Box-Lösungen aus dem OpenSource-Bereich gibt’s zwar (z.B. FTPbox oder ownCloud) auch, aber irgendein Client oder Feature fehlt immer. Immerhin brauche ich Clients für Mac, Windows,  Android und seit neuestem auch iOS.

Jetzt kommt Synology ins Spiel. Der NAS-Hersteller meines Vertrauens hat mit der aktuellen Version 4.1 des NAS-Betriebssystems „DSM“ die eigene Lösung „Cloud Station“ auf den Markt gebracht. Clients gibt’s für Windows, Mac und durch die App „DS file“ auch einen Zugriff per Android und iOS. Grund genug sich die Sache genauer anzusehen und die Cloud evtl. endlich in die eigene Hand zu nehmen…

Die Installation erfolgt ohne Probleme auf allen Systemen. Wählt man aber in der NAS-Weboberfläche eine Freigabe aus, die per Cloud Station synchronisiert werden soll, fällt einem gleich auf, dass verschlüsselte Freigaben nicht zur Auswahl stehen. Wird (noch?) nicht unterstützt. Die Daten müssen also unverschlüsselt auf dem NAS abgelegt werden. Immerhin: die Datenübertragung zwischen NAS und Client findet verschlüsselt statt. Das ist für den Zugriff über’s Internet zwingend erforderlich…

Zweiter Schritt: die Dropbox-Migration. Das ganze gestaltet nicht weniger simpel: einfach die Daten aus dem lokalen Dropbox-Ordner in den lokalen Cloud Station-Ordner verschieben. Den Rest erledigen die Sync-Clients – dauert natürlich eine Weile.

OK, wo stehen wir? Die Daten liegen anstatt auf einem Dropbox-Server bei mir zu Hause auf dem NAS – allerdings unverschlüsselt. Aber das ist mir irgendwie immer noch lieber, als dass sie „irgendwo“ liegen und ich nicht weiß, was damit passiert. Dropbox ist also für mich abgelöst.

Bislang liegen meine wichtigen Daten direkt auf dem NAS und der Zugriff erfolgt klassisch per Freigabe über’s Netzwerk. Beim manchen Sachen bremst das natürlich das Arbeitstempo. Große Dateien werden nur zeitlich stark verzögert geöffnet und gespeichert. Da merkt man schnell den Flaschenhals. Schöner wäre es, wenn ich lokal mit den Dateien arbeite und Cloud Station sorgt selbst dafür, dass die aktuelle Dateiversion auf’s NAS wandert.

Und so verschiebe ich gerade gigabyteweise auf dem NAS von A nach B und synce erstmal mein Macbook. Das bringt das NAS auch schon ganz ordentlich ins Schwitzen, zumal ich nur eine DS210j mit RAID 1 habe. Aber ich bin ja geduldig 😉

Zwischenfazit

Der erste Schritt zur eigenen Cloud-Lösung ist gemacht und ich denke, dass ich mich damit durchaus verbessert habe. Die in der Überschrift erhoffte Perfektion ist aber noch lange nicht erreicht. Mich stört vor allem noch, dass sich die Daten nicht verschlüsselt speichern und damit auch nur über Umwege verschlüsselt sichern lassen.
Da ich ein nächtliches Offsite-Backup auf ein zweites Synology-NAS mache, muss ich erst die Daten lokal in eine verschlüsselte Freigabe machen und diese wiederum geht den Weg durchs Internet auf das entfernte Backup-NAS. Dadurch entstehen zwangsläufig immense Datenredundanzen. Ich hoffe, nur vorübergend…

7 Kommentare

  • Das interessiert mich sehr! Auch ich verfüge über eine Synology NAS und so ziemlich alles was Apple zur Verfügung stellt :-)..

    Bitte lass uns weiter daran Teil haben..

    mfg
    Karl aus Graz

  • Danke für den Blog. Sehr interessant. Weisst Du, ob die Cloud-Station nur die geänderten Teile einer Datei syncronisiert ? Oder wird die gesamte Datei neu syncroniert ?
    DropBox und rSync syncen ja nur die geänderten Teile. Ich konnte dieses Feature leider in keiner Beschreibung finden.

    Danke und Gruss
    Holger

  • @Holger: Kann ich leider nicht genau sagen.

  • Würde mich freuen von Dir zu hören, wie Deine Erfahrungen seit diesem Blog-Post sind. Die CloudStation macht das NAS für mich interessant, aber man hört halt hier und da immer noch, dass es nicht an die Funktionalität von Dropbox herangeht. So kann man nur zwei Verzeichnisse mit anderen teilen und meines Wissens kannst Du eine Datei auf Deinem NAS nicht einfach freigeben für andere Nutzer ohne Account. Oder doch?

  • Hi. Ich werde demnächst mal ein Update schreiben. Ein vollwertiger Dropbox-Ersatz ist es nicht, da gebe ich dir Recht.

  • Hallo,
    find das auch sehr interessant. Vor allem freut mich das viele Menschen diesen -für mich logiscen- Schritt sehen.
    Danke den Herstellern für die Erfindung und Breitmachung.
    Aber ich will der Herr meiner Daten bleiben!
    Deshalb wird es bei uns auch kein Office 365 geben.
    So leicht war Spionage wohl noch nie: Das wir die Daten schon selbst hinbringen

  • Cloud Station synched derzeit noch vollständig.

    Schlimmer noch: Die geänderte Datei, sagen wir ein 1,5 GB Film, dem wir gerade noch ein Cover angehängt haben, wird vom CS Client auf dem Server gelöscht und dann via Netzwerk vollständig neu hinzugefügt – das dauert!

    Zum Vergleich: Bei Dropbox dauert dieselbe Aktion keine 15 Sekunden.

    Schlimmer noch: Dieses Verhalten erzeugt bei mehreren 5 Teilnehmern im Netz, die Daten miteinander Teilen, den 5fachen Datentransfer, stets von und zur DS.

    Zum Vergleich: Bei Dropbox synchen die Teilnehmer untereinander im LAN, wenn der Dropbox-Server erst einmal aktualisiert wurde.

    Bedenklich auch: Die Anzahl der Freigaben für Cloud Station ist auf der DS sehr begrenzt, ich glaube das User-Home plus 3 weitere Ordner.

    Ganz schlecht: Der CS Client synchronisiert Dateidatumsabhängig. Wenn man eine Datei aus Dokumentationsgründen mit einem älteren Dateidaum versieht (z.B. mit Properties Plus), dann macht der CS Client diese Änderung rückgängig (synched die Datei neu vom Server auf den Client).

    Wenn man die EXIF-Daten eines Fotos ändert, ohne dass sich das Dateidatum ändert (das ist auch das wünschenswerte Verhalten einer Fotosoftware), dann kommen die EXIF-Daten nicht auf dem Server an, der CS Client sieht keine Notwendigkeit, die Datei zu synchen.

    Ergo: Mehrere Teilnehmer? Mehrere Freigaben? Große Dateien? Fotos verwalten? Finger weg von der Lösung mit Cloud Station Client.

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